Bäumer Aero GmbH
B I Roter Vogel   B II Sausewind   B III Alsterkind   B IV Sausewind  B V Puck
B VI Libelle    B VII

Project : Fast single seater (1927),      Light sportplane with a Bristol Lucifer engine (1928),    High performance single seater (1928),     Windspiel
Theo Rasche   ( Aerokurier September 1968)
Meinem Fluglehrer Paul Bäumer zum Andenken


Ich lernte Paul Bäumer 1924 während des Rhönwettbewerbes kennen, als er den Roten Vogel meisterhaft vorflog. Die Elite der deutschen Fliegerei gab sich damals auf der Rhön alljährlich ein Stelldichein und zeigte ihr Können und die neuesten Flugzeugtypen im Leichtflugzeugbau. Eine Fliegerschule in Münster in Westfalen, auf der ich fliegen lernen wollte, hatte schließen müssen, und man riet mir, in die Rhön zu gehen, dort könnte ich am besten erfahren, wo ich weiter schulen könne.
Paul Bäumer bot mir dort an, mein Lehrer zu werden; ich war überglücklich darüber und sagte gleich zu. So kam ich Ende 1924 zur Bäumer Aero nach Hamburg.
Paul Bäumer - "Paulchen", wie ihn seine Freunde nannten - war ein prachtvoller Mensch. Sein Frohsinn und sein Optimismus waren geradezu ansteckend. Er war ein ausgezeichneter Flieger, aber im strengen Sinne kein Lehrer. Den Schülern das Starten und Landen erst lange zu erklären, das lag ihm nicht. Er war durch und durch "Gefühlsflieger" - und nur wer alles "mitfühlte", konnte bei ihm lernen, und dann war er der beste Lehrer, den man sich vorstellen konnte. Er brachte seinen Schülern grenzenloses Vertrauen zum Fliegen bei, zum Meistern jeder Situation und Lage, wenn sie auch noch so brenzlich war.
Wir Flugschüler hatten zuerst einen alten LVG-Doppeldecker, der fast ständig irgendeinen kleinen Schaden hatte, so daß wir oft wochenlang warten mußten. Diese Zeit benutzte dann die damalige Luftpolizei, um uns theoretisch zu schulen. Eines Tages konnte sich Bäumer einen "Udet-Flamingo" leisten, das damals beste Kunstflugzeug. Nie vergaß ich es ihm, daß er dieses Flugzeug brüderlich mit mir teilte.
1925 machte ich meinen Flugzeugführerschein und bald darauf meinen Kunstflugschein. Ich wurde die erste Kunstfliegerin Deutschlands. Und bereits 1926 zog die Bäumer-Aero - Paulchen, Bohne und ein anderer Fluglehrer - zu den Flugtagen auf die "Dörfer" über ganz Deutschland. Sie warben für Flugplätze und das Fliegen! Flugplätze in dem heutigen Sinne gab es damals noch nicht. Wir landeten auf Feldern und Wiesen, Zelte waren unsere Flugzeughallen - aber es war für uns die schönste Zeit in der deutschen Fliegerei nach dem ersten Weltkrieg. Aber leider hatten wir damals meistens mehr "Zaungäste" als zahlende Zuschauer.
Wir Flugschüler oder Jungflieger arbeiteten fleißig in der Werkstatt mit und erlebten so auch das Werden des berühmten "Sausewind" und "Alsterkind".
Die Zwillingsbrüder Walter und Siegfried Günter waren Meister ihres Faches, doch sehr bescheiden, wie alle bei der Bäumer-Aero. Und alle liebten ihr Paulchen. Auch wenn mal wieder kein Geld da war, es klagte keiner. Wir hätten für ihn gehungert, wenn es hätte sein müssen. Sein bester Freund und Fliegerkamerad aus dem ersten Weltkrieg, Baron Harry von Bülow-Bothkamp, mußte dann stets mal wieder "aushelfen', oder seine Frau Martel, eine tüchtige Zahnärztin. Bülow selbst war ein so begeisterter Flieger, daß er stets ein Flugzeug auf seinem Holsteiner Gut hatte.
Nach dem Großflugtag 1926 in Berlin-Tempelhof, wo ich als einzige Fliegerin mit 33 männlichen Fliegern mein Debüt gab, war auch endlich mein Vater "bekehrt" und schenkte mir einen "Flamingo". Ich wollte es jetzt auf eigene Faust versuchen.
Als das Ozeanfieber 1927 erwacht war, Lindbergh nach Paris und Chamberlin nach Deutschland geflogen waren, lud mich Chamberlin nach Paris ein. Dort lernte ich die anderen Ozeanflieger kennen - so Admiral Byrd, Bernd Balchen und Acosta. Alle rieten mir, doch mit ihnen nach Amerika herüberzukommen. So entschloß ich mich 1927, nach den USA zu gehen.
Bei einem tollen Nebelwetter, als die Verkehrsmaschinen Startverbot hatten, flog ich mit meinem kleinen Flamingo über den Kanal und wurde so die erste Fliegerin, die diesen überquerte. In London traf ich mich mit der damals einzigen englischen Fliegerin Mrs. Elliot-Lynn. Von dort ging es nach Southampton, wo die "Leviathon' bereits wartete.
Auf dem Dampfer nach Amerika erhielt ich die erschütternde Nachricht, daß Paul Bäumer bei der Vorführung einer Rohrbach Rofix über dem Oersund bei Kopenhagen den Fliegertod gefunden hatte.
Ich mußte an jene Situation denken, als Bäumer nach einem Flugtag den Hamburgern etwas Besonderes zeigen wollte. Er saß vor mir und wollte das Trudeln zu zweien im Flamingo vorführen. Nur mit Gewalt zwang er das Flugzeug ins Trudeln. Es kam aber in das so gefürchtete flache Trudeln. Er versuchte alles, um den Flamingo wieder aus dem Trudeln herauszubringen. Vergeblich! Immer näher kam der Boden. Verzweifelt hob er die Hände und schaute sich, wie abschiednehmeüd, nach mir um. Vorbei! Und wie ein Wunder - in Hallenhöhe fing sich der Flamingo wieder.
Das Flugzeug erhielt daraufhin ein größeres Seitensteuer und wurde narrensicher. Es war das damals beste Kunstflugzeug der Welt. Bäumer schien ein Glückskind zu sein, dem einfach nichts passieren konnte, und ausgerechnet mit der Rofix kam er nicht mehr aus dem Trudeln heraus. Fliegerschicksal! Für mich war Paul Bäumer der beste Lehrer und Freund gewesen, und die Hamburger Jahre sind eine meiner schönsten Fliegererinnerungen. Sein einziger Sohn Arnold wurde Juristund ist jetzt Direktor bei der Allianz  in München. Walter Günter starb ebenfalls  viel zu früh. Er wahr  wohl einer der begobsten deutschen Konstrukteure.
Paul Bäumer and  Inspector Poppe at Berlin during the Deutschlandflug 1925
Thea Rasche with her flying instructor Paul Bäumer at the Air Display at Witten on the 22nd of August 1926. The aircraft is an Udet U 12 Flamingo