Die Flugtechnische Fachgruppe an der Technischen Hochschule  Berlin hat bereits im letzten Jahr das Segelflugzeug B 5 entworfen und gebaut, das am Zielstrecken-Segelflug-Wettbewerb 1937 erfolgreich teilnahm. Die B 5 ist ein aerodynamisch hochwertiges Streckenflug-
Zeug mit hoher Flächenbelastung (20,5 kg/m2), das trotz hoher Horizontalgeschwindigkeit eine geringe Sinkgeschwindigkeit aufweist.
Bemerkenswerte Neuerungen: Doppelflügel, Stahlrohrrumpf, ab Hilfsholm Holzröhren, automatische Höhenrudertrimmung mit Klappen- verstellung verbunden, außerdem auch Handtrimmung. Blindflughorizont erstmalig im Zielstreckenwettbewerb 38 bei Typ B 5 (bereits beschr.) mit Erfolg verwendet. Zur Beplankung wird erstmalig Hartpapier von 0,5 mm Dicke verwendet. Lagerung der Steuerungsorgane
ebenfalls in Hartpapier 4-6 mm Stärke. Dieses Hartpapier läßt sich mittels Kaurit einwandfrei mit Holz verleimen. Das Höhenleitwerk ist
als Pendelruder mit Trimmung ausgeführt und verhältnismäßig hoch gelagert, um Beschädigungen bei Start und Landung auszuschließen. Die Montage von Flügel und Leitwerk ist durch Schnellverschlüsse, die sich bereits in der B 5 bewährt haben, in kürzester Zeit durchführbar. Die Flächenbelastung ist mit 16,45 kg/m2 niedriger als bei der B 5. Als Tragflügelprofil wird erstmalig im Segelflugzeugbau ein Doppelflügelprofil verwendet. Beim Profil NACA 23 012 mit Doppelflügel wurde die Wölbung auf 4 % vergrößert, so daß das Profil 43 012 entstand, das über den ganzen Flügel verwendet wird. Der Doppelflügel ist dreifach unterteilt und wird gleichmäßig für Start, Landung und Langsamflug bis auf 20º Klappenausschlag heruntergezogen. Die beiden äußeren Klappen wirken als Querruder, wobei die mittlere Klappe jeweils zur inneren Klappe vermittelt. Der Doppelflügel hat im Gegensatz zur anderen Klappenanordnung die Eigenschaft, den Auftrieb ohne wesentliche Vergrößerung des Widerstandes zu erhöhen. Der kleinere Hauptflügel gibt geringere Bauhöhen, was bei der B 6 durch Verwendung von vergüteter Buche für die Holme aufgewogen wird. Den beim Doppelflügel zu erwartenden starken negativen Giermomenten wird mit einem Querruder-Differential von 1 : 3 begegnet. Außerdem ist das als Doppelflügel ausgebildete Seitenleitwerk sehr wirksam. Als Klappenausschläge sind Winkel von 20, 10, 5 und -2,5º vorgesehen. Bei
-2,5º  Klappenausschlag wird der Doppelflügel druckpunktfest. Holt die Maschine bei Wolkenflügen ungewollt Fahrt auf, so werden die Klappen in diese Stellung gebracht. Die Verdrehmomente auf den Flügel werden dadurch sehr gering und große, auf Ober- und Unterseite hervortretende Sturzflugbremsen, die auch als Landehilfen dienen, verhindern das Ueberschreiten der sicheren Geschwindigkeit.
Spannweite 16 m, Länge 6,15 m, Flügelfläche 14,6 m2,
Leergewicht 155 kg, Zuladung 85 kg, Fluggewicht 240 kg, Flächenbelastung 16,45 kg/m2,
Seitenverhältnis 1 : 17,6, Gleitwinkel 1 : 33.
Berlin B 6
Source: Flugsport Nr 16 1938
Einziehfahrwerk: In der
schematischen Darstellung
erkennt man die Wirkungsweise.
Hebel a ist bei b fest
gelagert. Das als 2 armiger
Hebel ausgeführte Federbein
ist bei d fest gelagert und
wird durch die bewegliche
Raste f bei g festgehalten.
Wenn das Fahrwerk eingefahren
werden soll, wird
mittels Stoßstange h der
Verriegelungshaken i um den
Punkt k gedreht, g freigegeben
und durch weiteren
Zug das Fahrwerk eingefahren.
a Hebel im Führersitz
b Fester Punkt
C Federbein - EC
d Fester Punkt
f Bewegliche Raste
g Feststehendes Rohr
h Betätigungsstoßstange
i Verriegelungshaken
k Drehpunkt des Verriegelungshakens