Der 2. Deutsche Küstensegelflug-Wettbewerb in Rositten (Ostpr.). Vom D. L. V. wurde vom 10. 5. bis 16. 5. 1924 in Rositten der 2. Deutsche Küstensegelflug-Wettbewerb veranstaltet, mit dessen Durchführung der Ostpreußische Verein für Luftfahrt betraut wurde. Als Fluggelände kam vornehmlich in Betracht der 50 bis 60 m hohe Dünenzug nordöstlich von Rositten, vom Predinberg bis Pillkoppen. Bei Pillkoppen ist eine nur 5 m hohe Senke, und erst 400 m weiter nordöstlich beginnt ein neuer Dünenzug, gleichfalls von etwa 50 bis 60 m Höhe, der sich weit über die vom Predinberg etwa 11 km weit entfernte litauische Grenze hinzieht. Südwestlich von Rositten befindet sich nochmals ein Dünenzug, etwa bis Sarkau herab, im Durchschnitt 40 m hoch. Die Senke bei Rositten ist etwa 2 km breit. Die Steilhänge der Dünen sind nach Südosten gelegen, so daß SW als der günstigte Segelwind zu betrachten ist, zumal nach SW hin keinerlei Vorland den Dünen vorgelagert ist. Die Windverhältnisse waren während der sieben Tage nur am Sonntag, den 11. 5. 24 günstig. Da herrschte bei wolkenlosem Himmel SW von 10 bis 12 m/s, der nur 2p bis 3p auf 8 m/s abflaute. Die anderen Tage waren fast windstill, so daß sich alle fliegerischen Ereignisse am Sonntag, den 11. abspielten,, während das Fliegerwetter der anderen Tage zu kleineren Experimenten benutzt werden konnte (Gleitwinkelbestimmungen). Ueber das ganze Gelände hin waren in vorbildlicher Weise Beobachtungspostern verteilt. 'Ganz besonders verdient hervorgehoben -zu werden, daß sämtliche Posten mit Fernsprecher untereinander verbunden waren. Auch der Segelflug hat seine Bodenorganisation. Der Meßtrupp arbeitete zumeist auf der Kuppe des Predinberges. Das Zeltlager befand sich unmittelbar am Fuße des Predinberges, es standen 10 Flugzeugzelte zur Verfügung. Flieger, Meßtrupp, Sportleitung und Gehilfen hatten ihr Quartier in festen Baracken zwischen Zeltlager und Rositten, an der Vogelwiese, die als Flugplatz für Segelflugzeuge mit Hilfsmotor vorgesehen war. Die Hoffnungen, die man auf die Segelflugzeuge mit Hilfsmotor gesetzt hatte, wurden nicht erfüllt. Erschienen waren nur Budig-Leipzig, mit automatischem Stabilisator. Er kam über Flüge von 10 m flöhe und einigen 100 m Länge nicht hinaus. Martens brachte den "Max", eine etwas verstärkte Konstruktion des von der Rhön her bekannten Strolch. Am Sonntag, den 11. machte er einen Flug von etwa 30 Minuten Dauer, indem er mit Startmannschaft und laufendem Motor startete und bei SW von 10-12 m/s etwa 20 Minuten flog, dann in der Luft den Motor abstellte und noch 10 Min. segelte. Diese Leistung darf nicht zu hoch veranschlagt werden, da bei denselben Windverhältnissen Martens auf Strolch weit bessere Resultate bezüglich der Flughöhe erreichte. Interessant 'waren die Flüge von Martens auf "Max" an den windstillen Tagen, wo es ihm gelang, nach Abflug von Predinberg und anfänglichem Höhenverlust von etwa 2,5 m auf 1000 m Flugstrecke weitere 1000 m Flugstrecke in 2 m Höhe zurückzulegen. Hoffentlich sind die Flugvermessungen genau genug, um diesen Sachverhalt eindeutig festzustellen. Alles in allem muß gesagt werden, daß das Segelflugzeug mit Hilfsmotor nur eine Frage des Motors und des Anlassers ist; beide Fragen erweisen sich z. Zt. als noch nicht überwunden. Die reinen Segelflugzeuge waren in großer Zahl erschienen, von den bekannten Typen Schenk-Roßlau (freitragender Eindecker), das Berliner Teufelchen (ähnlich der Charlotte, aber mit Seitenruder) und die schöne Gothaer Maschine (freitragender Eindecker). Alle drei hatten das Pech, an dem fluggünstigen Tage nicht startbereit zu sein, z. T. infolge von Beschädigungen während des Transportes. Von Ksoll Klein Ellguth war "Galgenvogel ll" erschienen, der in der Konstruktion für einen stärkeren Hilfsmotor berechnet und als Segelflugzeug reichlich schwer war (freitragender Eindecker mit Rädern). Dennoch flog ihn Weiß am Sturmtage einmal über 60 sec. und setzte ihn fast unmittelbar am Startplatz nieder. Es ist zu bedauern, daß die Danziger Maschine D. 1. mit Berr erst so spät eintraf. Am letzten Tage machte sie bei sehr schwachem Winde noch einen schönen Gleitflug. Freitragender Eindecker, Rumpf auf Wasserlandung berechnet, etwas schwer. Von den ostpreußischen Maschinen ist der hübsche, freitragende Doppeldecker von Peyean zu erwähnen, der aber über Gleitflüge nicht hinauskam und natürlich Schulzes unverwüstliche F. S. 3. Schulzes neue Maschine F. S. 7. trat noch nicht in Tätigkeit. Ernsthaft in Wettbewerb traten nur 3 wohlbekannte Maschinen, Schulzes F. S.3, Martens Strolch und Hannover H 6 mit Koch als Führer. Koch machte am Sturmtage einen schönen Flug von fast 30 Min. Dauer, auf einem verhältnismäßig schmalen Dünenstück. Martens gelang ein überraschender Flug. Gleichfalls am Sonntag, aber bei einer Windgeschwindigkeit von 10 m/s startete er mit Strolch auf dem Predinberge. (Martens kultivierte Startmethode, Ausklinken des Halteseiles durch den Führer, verdient bei allen Segelfliegern besondere Beachtung,) An den Dünen entlang ließ er sich unter ständigem Höhengewinn schieben und erreichte schließlich eine Höhe von 195 m über den Dünen, ein für die Aufwindtheorie hochinteressanter Wert! Die Senke bei Pillkoppen überquerte er ohne Höhenverlust, erreichte den Höhenzug nordöstlich von Pillkoppen und landete schließlich unweit der litauischen Grenze auf einem seinen Startplatz um 10 m überhöhenden Platze nach einem Flug von 10,3 km Luftlinie. Die Nachricht von dem Flug von Schulz auf seiner alten F. S. 3. ist bereits durch die ganze in- und ausländische Presse gegangen. Schulz startete Sonntag früh um 7 Uhr. Bei empfindlicher Kälte ohne Handschuhe und Wollzeug, dem Sturme frei ausgesetzt, beide Arme zu den Steuerstangen erhoben, hielt er aus, 8 Stunden 32 Min. 9 sec. 8 3/4 Stunden sind eine lange, lange Zeit. Wer friedlich unten gestanden hat, weiß das. Dieser Flug erforderte aber nicht nur eine so zähe Natur wie Schulz, sondern sie erforderte auch eine hervorragende Kenntnis der Windverhältnisse an der Düne, denn in den 8¾ Stunden gab es auch Zeiten, in denen der Wind bedenklich nachließ. Da merkte man deutlich: Schulz hatte studiert. Natürlich kam Schulz. auch die geringe Geschwindigkeit seiner Maschine zu gute, er kam nicht so leicht in die Gefahr, aus der Aufwindzone herauszukommen wie die schnellen Flugzeuge. Ohne Kurven zu fliegen, ließ er sich vor den Dünen hin und her schieben. Ganz Deutschland hat dem zähen Ostpreußen seine Glückwünsche dargebracht dafür, daß er Deutschland den Weltrekord zurückeroberte, aber die größte Freude herrschte über das Telegramm, das Herr Fischer, in dessen Händen die Organisation gelegen war, am Abend verlas: "Herzliche Gückwünsche, Blume und Hentzen!"H. K. |
Der 2 Deutsche Küstensegelflug-Wettbewerb in Rositten |


Right: Schulz during the record flight of 8 h. 42 min. 9 sec. Left: To the left Martins with his "Max", to the right the world record holder Schulz |
To the right Schulz during the record flight, to the left Ksoll |