Siebel (Flugzeugbau Halle)  Fh 104

Das neue zweimotorige Schnellreiseflugzeug Fh 104

( Der Deutsche Sportflieger Augusti 1937 )

Die Flugzeugwerk Halle G. m. b. H., die bisher lediglich Lizenzbauten durchführte, hat jetzt ihr erstes selbst entwickeltes Flugzeugmuster, ein Schnellreiseflugzeug; herausgebracht, das beachtliche Leistungen aufweisen soll. Als Höchstgeschwindigkeit werden 335 km/h und als Reisegeschwindigkeit 300 km/h bei Dauerleistung der Motoren vom Herstellerwerk angegeben. Die Verwendung von zwei Motoren, die eingebaute Funkanlage mit Fest- und Schleppantenne sowie die vollständige Nacht- und Blindflugausrüstung gestatten den Einsatz und die sichere Flugdurchführung bei jeglicher Wetterlage und Tageszeit. Die Berücksichtigung der neuesten aerodynamischen Erkenntnisse hinsichtlich der Flügel- und Leitwerksausbildung ergaben angenehme Flugeigenschaften, die zusammen mit der bequem ausg!estatteten Kabine ein angenehmes und sicheres Reisen ermöglichen.

Konstruktionstorm: Freitragender Tiefdecker für 5 Personen und Gepäck. Rumpf und Leitwerk sind in Duralbauweise hergestellt, das Tragwerk ist Holzbau, Ruder und Landeklappen haben Duralgerippe und sind mit Stoff bespannt.

Rumpf: Vorwiegend ovaler Querschnitt, Spanten und Längsstränge, tragende Außenhaut aus Glattblech mit Versenknietung. Geschlossener Insassenraum, daran anschließend von außen und innen zugänglicher Gepäckraum. - Bequemer Einstieg durch zwei große Türen an linker Rumpfseite.

Fahrwerk: Geteilt mit 3,44 m Spurweite. Jede Fahrwerkshälfte besteht aus zwei Federbeinen mit Luftfederung und Oelstoßdämpfung und einem EC-Bremsrad.Das Fahrwerk wird hydraulisch durch Druckknopfsteuerung in die verlängerten Motorgondeln nach rückwärts eingezogen und in den Endstellungen automatisch verriegelt. Mechanische Notauslösung durch Handhebel. Zeit zum Einziehen des Fahrwerks 5 bis 7 Sekunden, zum Ausfahren 2 Sekunden. Die jeweilige Fahrwerksstellung wird im Führerraum angezeigt. Bei stärkerem Drosseln der Motoren ertönt ein Boschhorn als Warnungszeichen solange, bis das Fahrwerk ausgefahren ist. Drehbares Spornrad mit Rückführung, Luftfederung mit Oelstoßdämpfung.

Tragwerk: Zweiteiliger Flügel von nach außen abnehmender Tiefe und Dicke in Trapezform mit abgerundeten Enden. Zwei beplankte Kastenholme, Rippen aus Kiefer mit ganzer oder teilweise Beplankung. An -der Flügelhinterkante sind Querruder und Landeklappen angeordnet. Betätigung der Landeklappen hydraulisch durch einfache Druckknopfsteuerung. Sicherungseinrichtung derart wirkend, daß die Landeklappen bei Ueberschreitung einer Geschwindigkeit von 140 km/h von selbst ihren Ausschlag verringern.

Triebwerk: Beiderseits des Rumpfes an den Außenflügeln untergebracht. Abgestrebte Biegungsträger an Motorpratzen mittels Schraubbolzen, an den Holmbeschlägen in Gelenklagern befestigt. Zwei Achtzylinder V-Motoren, Hirth, HM 508: 2x240-480 PS, Luftkühlung, Druckluft-Anlaßanlage und Summer-Anlaßanlage.

Kraftstoffunterbringung: Je ein 150-Liter-Behälter in den Außenflügeln zwischen Rumpf und Motoren, insgesamt 300 Liter.

Kennzeichen: Spannweite 12,06 m; Länge 9,125 m; Höhe 2,585 m; mittlere Flügeltiefe 2,00 m; tragende Fläche 22,3 m2; Leergewicht 1295 kg; Gesamtzuladung 785 kg; Fluggewicht 2080 kg; Höchstgeschwindigkeit in 0 m Höhe 335 km/h; Betriebsgeschwindigkeit in 0 m Höhe 300 km/h; Reichweite 860 km; Landegeschwindigkeit 97 km/h; Steigzeit auf 1000 m Höhe 2,5 Min.; Dienstgipfelhöhe 6200 m; absolute Gipfelhöhe 6700 m; Schwebehöhe mit einem Motor 2000 m.

Production